Karin Kind

Karin-Allmächtig

Ein Moment der Stille. Ich blicke zu Boden und die Erde kreißt ein wenig langsamer, während in Sekundenbruchteilen tausende Gedanken von mir Besitz ergreifen und plötzlich einen Sinn ergeben. 

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat eine schöne Schrift zu „Frauen in Führungspositionen“ rausgeben. Komische Gruppezusammenstellung eigentlich. Man könnte aus sagen, das Ministerium Arme, Zahnlose, Hysterische und Pubertierende. Es fehlen noch einbeinige Hunde, die auf einem Schwarzmarkt, vor Tierversuchslaboren gerettet wurden. Egal, es gibt jedenfalls diese Schrift. Da geht es u.a. um Mentalitätsmuster von Männern. 1. konservative Exklusion: Ablehnung von Frauen qua Geschlecht 2. emanzipierte Grundhaltung – doch chancenlos gegen männliche Machtrituale 3. radikaler Individualismus: Mangel im Markt an authentischen und flexiblem Frauen.

Punkt 1 und 2 sind keine Nobelpreisverdächtigen Erkenntnisse. Bei Punkt 3 spüre ich meine Carotis mit 140 bpm vibrieren. HALLO, liebes Randgruppen-Ministerium ! Nie war ich authentischer als jetzt. Wer bei 2 griechisch-charismatischen-temperamentvollen-männlichen Nachkommen und deren Erzeuger die Fassung bewahren kann, muss ein unerhörtes Über-Ich besitzen. Ich werde nur noch durch mein  ES fremdgesteuert. Ich wäre gerne „flexibel“, aber aus irgendeinem Grund spielt meine Umgebung nicht mit. Schön hatte ich mir das mal früher gedacht. 1 Haus, 1 Hund, 1 Mann, 3 Kinder. Geworden ist daraus 1 Haus zur Miete, 2 Katzen, 1 Mann, 2 Kinder. 3 Kinder wollte ich unbedingt aus folgender Überlegung heraus. 1 Kind bedeutet Paar mit Kind. 2 Kinder sind eine Familie. 3 Kinder sind  1 Kind vor Asozialität. Sind Sie gut erzogen und tragen besten Zwirn, sind 3 Kinder Mittlerweile ein Zeichen für Wohlstand. Sind sie es nicht, dann sind 3 schon asozial. Ein schmaler Grad zwischen Bewunderung und Abscheu. Um diese 2 griechischen Mini-Heldengestalten in den Griff zu bekommen, bräuchte es einer griechischen Sagengstalt, am Besten in Form eines Au-Pairs. Aber was soll ich sagen? Schön hatte ich mir das gedacht,  die Wahrheit ist aber anders.

Au-Pairs wollen mittlerweile was für Ihre Tätigkeit geboten bekommen. Wahrscheinlich empfindet halt nicht jeder Fremde Momente des größten Glücks, wenn das Baby nach 2 Wochen des Wartens endlich mal die Windel durchgeschossen hat. Moderne Aupairs schreiben also in ihr Profil, dass Sie hervorragend Polo spielen, ganz wunderbar den Pool der Gasterltern mit Leben füllen würden, nach der großen Liebe und schnellen Schwangerschaft in Deutschland suchen, schon immer mal eine Club-Tour durch Berliner Diskos machen wollten und irgendwann ganz zum Schluss erwähnen sie in einem Nebensatz, dass sie schon immer Kinder betreuen wollten. Der Nachbar hätte ein Kind von dem sie mal gehört hätten. Bei den Erzählungen über dieses, hätten sie die Liebe zu Kindern plötzlich entdeckt. Das Aupair-Ding gestaltet sich also schwierig, wenn man sich mit dem künftigen Mitbewohner in einer Sprache unterhalten will, die beide beherrschen, man kein Fan von Frauenhandel ist und die Kultur der eigenen so nahe ist, dass Dinge wie Telefon und fließend Wasser keine Panik auslösen. Der Arbeitgeber meines Mannes bietet seinen schwerarbeitenden Mitarbeitern an Aupairs, Babysitter und Tagesmütter zu suchen. Ich fing also mit folgendem Suchprofil an: mind 24 Jahre (wegen der KfZ Versicherung), aus Europa, lebenslustig, ein wenig Deutschkentnisse. Antwort der Firma war, dass meine Ansprüche zu hoch wären. Ich suche also weiter, aber eher mit Mindestaufwand und leicht katatonisch.

Großmütter und -Väter, letztere eingeschränkt, eignen sich auch gut als Kinder-Betreuungs-Backup. Immerhin hat meine Mutter es auch geschafft mich zu überleben und diesen wunderbaren Menschen zu prägen. Aber mal ehrlich, wenn die Großeltern so weit weg wohnen, dass sie passager einziehen müssen, stimmt Kosten-Nutze Verhältnis nicht mehr. Meist hatte man nach solchen Familientreffen, übermäßigen Kontakt zu Lebertoxischen Getränken, um sich die Zeit schön zu trinken. Wahrscheinlich bin ich doch eher der Typ Dschungelkind und bin für die Formung meiner Persönlichkeit selbst verantwortlich gewesen. Anders ist es mir einiges nicht erklärlich. Das Grosselternding ist also auch eher Notfallplan vom Typ Zyankali-Kapsel. Nicht die erste Idee, aber als letzte Lösung möglich.

Bleibt der Klassiker Kita/Kiga/Kila/TaMu und wie sie alle heißen mögen. Wäre ja einfach denkt unbescholltene Leser. Wäre ja möglich, denkt der Leser mit Erfahrungshintergrund. Ist doch unmöglich, weiß jeder der mich kennt.

Man nehme 1+1 und mache daraus eine 3.864437, so ungefähr sieht das in meinem Fall aus. Mein Mann hat vor ca. 4 Wochen das „Go“ gegeben, eine Kita in wohnortnähe zu suchen. Er ist manchmal etwas langsam….Ich erwähnte schon an andere Stelle, dass ich die Aufgaben meines Mannes schneller und besser ausführen würde… Aber es ist wie in der Kindererziehung. Eigene Fehler sind wichtig, damit das Erlebte besser gespeichert wird. Manche Sachen muss man sich schön reden….. Es gibt auch Momente, in denen ich das nicht kann. Dann schiebe ich das Buch über „Morde mit gängigen Gewürzen“ immer wieder in meinen Warenkorb eines Online-Händlers. Ich meine Mußkatnuß war einfach, effektiv und ich habe es sogar vorrätig. Aber weiter im Text. Die Kita Platzvergabe läuft in 2 Wochen aus. Es wird zentral verteilt, d.h. Kuchen, Blumen und Geldgeschenke vor Ort helfen nicht weiter. Die Listen sind voll. Nur Idioten kümmern sich 4 Wochen vorher drum, alle anderen haben sich letztes Jahr bereits auf die Listen setzten lassen. Es gilt 2 Kinder unterzubringen….Würde jemand meinen Cortisol-Spiegel bestimmen, würde man sofort einen Hormon aktiven Tumor ausschließen müssen oder an einen Fehler im Labor glauben. Alles andere wäre grob fahrlässig. Ich rufe derzeit also täglich bei den privaten Trägern an, um mich als direkter Nachkomme von Rudolf Steiner auszugeben. 15 min später weiss ich zu berichten,  dass Frau/Herr oder „was auch immer“ Montessori mit mir per Du ist oder dass Waldkinder-Philosophie bei uns ganz gross geschrieben wird. Wir machen manchmal, rein für das „Feeling“,  im Winter die Heizung aus und verbrennen Möbel im Wohnzimmer, um im Garten eigenhändig gesammelte Tiere darüber zu grillen. Mühsam ist es die einzelnen Geschichten nicht zu vermischen.

Nicht genug der Unmöglichkeiten, nein. Denn nun kommt eine Stimme aus dem Off:  der Mann, Hüter des Hauses, Beschützer und Ernährer. Amen. Ich kreische also ins Telefon: Schatz! Es könnte sein, dass Kita x den Erstgeborenen nimmt und eine TaMu den Toddler. Antwort des Mannes. Nein, das ist gar nicht gut. Schau doch bitte auf die Karte, beide Örtlichkeiten liegen in falscher Verkehrsrichtung. Ich muss zur Arbeit nach Osten und sowohl TaMu als auch Kita liegen im Westen. Ich höre jeden einzelnen Herzschlag im Bereich der A. temporalis. Vielleicht ist es doch Morbus Horton. Memo an mich: Biopsie erwägen. Was der Mann beim Studium der Strassenkarte nicht bedacht hat: wenn er 200 m nach Osten fährt, liegt da ein anderes Bundesland. Auf diesen 200 m ist nur Wald und ein schlechtes Chinesisches Restaurant.  Problem Nummer 2, die Kinder würden also 2 verschiedene Einrichtungen besuchen. Mann was war ich froh, aus einem „unmöglich“ ein“ vielleicht“ zu zaubern. Leider wird das nicht annerkannt. Beide Kinder sollen nun gefälligst in eine Einrichtung gehen. Geschwisterliebe und so. Meine Aufgabe lautet also einen Kita zu finden, die noch 2 Plätze übrig hat. 1+1= 4.90886767.

Ich könnte  nach Ablauf meiner Elternzeit theoretisch wieder arbeiten gehen. Ich könnte Menschenleben retten. Ich könnte Trost und BTM pflichtige Rezepte spenden, aber nein stattdessen werde ich wohl das chinesische Restaurant übernehmen müssen und dort meine Kinder selbst betreuen. Und Schuld ist meine fehlende Felxibilität. Ich blicke zu Boden und die Erde kreisst ein wenig langsamer, während ich den Brei auf meiner Jeans und das gedünstete Bio-Gemüse zwischen meinen Füssen beobachte.

 

 

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