Karin Kind

Superman meets Elsa

Ich mache das, was alle tun, wenn wir in Panik geraten: Ich gehe ins Internet, um mich zu belesen, denn ich bin Supermans, Batmans und manchmal auch Spidermans Mutter.

Der Berufswunsch meines Ältesten ist gesetzt, er will ein Superheld werden, alternativ Angestellter in einer Feuerwache namens Pontypandy.

Mit Mädchen hat er es noch nicht so, ansonsten hätte ich recherchieren müssen, was Supermans Mutter (und somit Schwiegermutter von Elsa) für genaue Aufgaben hat und damit das Internet zum Kollaps gebracht.

Eigentlich wundert es mich, dass er nicht selbst als Elsa zum Fasching gehen wollte, denn deren Marketing ist unschlagbar. Egal was Sie brauchen, das gibt es mit Sicherheit auch mit Elsa-Aufdruck. Weder von der Eiskönigin, noch von den Männern, die nachts im Gymnastikanzug die Welt retten, hat er eine genaue Vorstellung, so dass Superman bedarfsweise mal Feuer löscht, den Müll abholt, Netze aus den Händen schießt um mit Füchsen spazieren zu gehen und manchmal halt auch Einbrecher fängt.

Eigentlich ist es doch schön, dass unsere Kinder heute noch wie wir früher aufwachsen. Die einzigen Berufe, mit denen ich als Kind irgendwie in Kontakt geraten bin, waren Prinzessin, die nette Frau mit der Mortadella hinter der Wursttheke, die Frau die mir immer die Haare schnitt, diverse Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen und abschließend meine Mutter, die Krankenschwester war. Aus dem Fernsehen kannte ich noch Dr. Doolittle, den ich inbrünstig verehrte. Warum ich aber nie Tierarzt werden wollte, kann man unter „Alles für die Katz´“ nachlesen.

Aus diesem Grund kann ich bis heute mit einigen Berufen auch nichts anfangen, wie z.B. mit dem meines Mannes. Er hat es mir auf eine Visitenkarte geschrieben, auf die ich manchmal heimlich unterm Tisch gucke, falls wieder die Frage aufkommt, was denn der Mann von Frau Schneider wohl arbeiten würde.

Also im Grunde genommen alles wie früher. Zum Fasching wollten sich alle als Ritter, Prinzessin, Pirat, Prinzessin, schießwütige Cowboys und als Prinzessin verkleiden. Heute sind die Kinder uniformiert in Superhelden und – wer ahnt es? – Prinzessin. Uniformiert, weil die Kinder eine genaue Vorstellung haben, wie eine Prinzessin und ein Superheld aussehen müssen; nämlich genau so, wie Disney und Marvel es vorgeben. Aber auch in meiner Kindheit haben die Jungs in ihren Kostümen die Welt erobert und die Mädchen ließen sich retten.
Auch früher wurden Kinder, als Marienkäfer verkleidet, ungläubig beäugt.

Der Großteil der Erziehungsarbeit wird immer noch von Frauen übernommen. Vereinfacht gesagt (Ja, liebe Väter, es hat sich viel getan in den letzten Jahren und ich will Euch jetzt kein Unrecht tun… Aber nur um es zu vereinfachen.), Jungs sind Jungs ihrer Mütter. Mädchen sind Mädchen ihrer Mütter. Kauft Euren Jungs auch mal eine Puppe, einen Buggy und ein Prinzessinnenkostüm, wenn sie es wollen. Sie werden lernen, die Puppe zu tragen, zu lieben, zu pflegen und sie mit dem Buggy zu fahren. Eure Schwiegertochter wird sich freuen, wenn das ganz normal für ihren Mann sein wird. Tut dies am besten, bevor der Gruppenzwang sich breit macht und 20 Elsas im Kindergarten aufschlagen. Und wenn es soweit ist, lasst sie als Elsa gehen. Gebt ihnen so starke Wurzeln, dass ihnen das Fliegen nichts ausmacht. Sie werden sich immer an diese Wurzeln erinnern. Wollten wir nicht alle mal Prinzessin sein? Manchmal möchte ich das auch heute noch, wenn ich mir wünsche, auf einer Erbse sonntagmorgens mit nem Kaffee in der Hand einfach liegen zu bleiben.

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