Karin Kittel

Ich war dabei

Ich war dabei, als Ärzte seit über 30 Jahren das erste Mal streikten, aufgrund unzumutbarer Arbeitsbedingungen und für eine bessere Bezahlung.
Ich war dabei, als über 5000 Mediziner nach Münster reisten und über 13.000 Ärzte bundesweit ihre Arbeit niederlegten.
Ich war dabei, als andere über uns urteilten und festlegten, dass dies unethisch wäre und Ärzte niemals streiken dürften. Zumindest dürfte die Arbeit darunter nicht leiden.
Ich war dabei, als bei Günther Jauch die großen braunen Kulleraugen eines kleinen Mädchens bundesweit jeden Fernsehbildschirm füllten und sich ihre Eltern vorwurfsvoll ans Publikum wandten. Nein, dieses Kind bekam nicht die seit Wochen geplante Operation, da keine Dringlichkeit bestand und ich war betroffen wie jeder, der diese Augen sah, obwohl ich streikte.
Ich war dabei, als ich auf dem Marktplatz einer mittelgroßen deutschen Stadt Unterschriften sammelte, während ein Teenager mir vor die Füsse spuckte und riet, doch mal arbeiten zu gehen.
Das war 2006 und heute lese ich die Gesundheitssklaven Teil I und II von Marlene Heckl und möchte  einfach nur eine Leseempfehlung auszusprechen.
In diesem unserem Gesundheitssystem gibt es Verlierer auf beiden Seiten. Sowohl die, die Hilfe brauchen, sind leidtragend, als auch die, deren Herz voll ist, aber deren Arme leer. Alle zahlen den Preis dafür, dass Gesundheit wie jedes andere erwerbbare Gut rentabel sein muß. Da werden schon mal Kinder in Autos geboren, wie kürzlich in Berlin geschehen. Und warum? Weil halt nicht alle von diesen Kinderaugen berührt werden.
Bildquelle: Flickr Sören Bangert
  1. Like!👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻 Ehrliche Worte!!!

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